8. August – Weltkatzentag

Ein Beitrag zum kuriosen Kalender:

Katzen sind eigensinnig, feinsinnig aber willensstark, kuschelig und dennoch kratzbürstig, Heimatverbunden mit dem Hang zu kleinen Streiftouren. Aber immer eigen.

Seit dem 28. Juni bin ich verwaiste Katzen-Mitbewohnerin und -Dienstleisterin. Unser alter Herr hatte dann alle seine sieben Leben fertig gelebt. Zum heutigen Weltkatzentag möchte ich ihn noch einmal -posthum- hoch leben lassen.

Er spielte viele Rollen: Er war Freigänger aus Überzeugung, erkämpfter Chef der Strasse und später deren Altersvorsitzender, Baustellen Katze mit Passion, und dennoch Wächter des Vertrauten und beherzter Verteidiger des Bestehenden.

Gewiefter Mörder, gefräßiges Monster, heimtückischer Wurst-Dieb

Er war nicht nur drinnen zu halten. Ich hab es einst zu Vogelgrippe Zeiten erfolglos versucht ihn „einzusperren“. Er musste raus ins „Revier“. Bereits früh (nach einem ganzen Korb voll markierter frisch gewaschener und gebügelter Koch-Wäsche) kastriert, scheute er dennoch keinen Kampf. Er eroberte die Vormachtstellung in der Strasse. Er ließ keine Jagd-Option aus. Jede Form von textilem Fußbodenbelag wurde eines Tage mit dem Blut der von ihm erlegten und angebrachten Tiere (Eichhörnchen, Ratte, Eichelhäher, Taube oder Krähe -jaja, alle anderen des großen Familienverbundes waren lange sehen sauer auf ihn!-, Maulwurf und co.) verziert und wich deshalb früher oder später aus unserem Heim.

Kein Grillgut, keine Soße, kein Braten, keine Torte (und mochte sie noch so hoch stehen) war vor ihm sicher – egal wie groß und wie schwer es ihm im Magen lag … es wurde gefressen!

Der Bewahrer

Veränderungen hasste er. Gartenarbeit seiner Menschen empfand er als inakzeptablen Eingriff in sein Revier. Jeder Grünschnitt wurde von unserem Kastrat demonstrativ „markiert“.

Umso verwunderlicher war es, dass er während unseres Haus-Umbaus (kompletter Abriss des Obergeschosses) zufrieden in seinem Keller-Wohnzimmer auf der Baustelle verweilte, während wir zeitweise auszogen und der Baustelle wichen. Er wachte über den Bau, teilte die Stullen und Snacks der Bauarbeiter und genoss die Aussicht aus dem nackten Dachstuhl.

Der Streuner

Sicher zuordenbar war er dauerhaft nur mit einem kleinen, ledernen Hunde-Halsband. Alle würgesicheren Katzen-Halsbänder hat er innerhalb kurzer Zeit verloren. Sein Ohr war geschlitzt, sein Auge häufig in Zorro-Manier gebrandmarkt. Viele Jahre waren wir wegen Verletzungen und einer jugendlichen „Immunschwäche“ Stammgast beim Tierarzt. Verstauchte Gelenke, herausgerissenen Krallen und entzündete Köcher – all das hat ihn nicht davon abgehalten alt zu werden.

Der Feinsinnige

Im Gegenzug für meine pflegerischen Tätigkeiten verbrachte er jede Stunde einer Krankheit bei mir. Wärmend, kuschelnd, zärtlich pflegend. …Und litt danach regelmäßig selbst (Fieber/Apathie)!

Kein Familientyp

Männer mochte er nur … bedingt. Jedenfalls keine in meinem Schlafzimmer. Diesem aktiven Verdrängungswettbewerb des Homo sapiens unterlag er. Unter Männern einigte man sich dann „diplomatisch“ auf eigeschränkte Verkehrsrechte in den Abendstunden.

Kinder wurden ignoriert – zumindest solange sie nicht „größer“ waren als er. Aber die Über- bzw. Unterordnung wurde von ihm doch gelegentlich als „nicht unumstößlich“ eingeschätzt … erst recht, wenn er auf der Treppe „höher“ saß. Die kleine Lady und er waren sich ziemlich egal, der kleine Herr dagegen durfte ziemlich viel mit ihm „machen“.

Nun ist ein Charakterkopf weniger bei uns daheim – aber er wird mit seinen Geschichten, Jagderfolgen und Eigenheiten und gemeinsamen Erlebnissen noch lange bei uns präsent sein wird. Seine Nachfolge bleibt unantretbar.

Ein Hoch auf die Charakter-Katze!

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4 Kommentare

  1. „Schnief“, sehr schön geschrieben…
    Und dabei nicht zu vergessen, wie er sich bei unserer Party (Jungesellinenabschied) zielsicher die gute Spinata Calabria Salami vom Edelitaliener vom Tisch mopste..

    Gefällt mir

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