Tagebuch 1.0

Wie Du therapeutische Effekte durch Bloggen erzielst

12. Juni – Tag des Tagebuchs

Dieser kuriose Feiertag begründet sich auf eine Begebenheit vor 72 Jahren. Das hierzulande vermeintlich meistgelesene Tagebuch wurde am 12. Juni 1942 verschenk: Anne Frank bekam von ihrem Vater ein Notizbuch zum 13. Geburtstag und nutzte es um ihre Erlebnisse und Gedanken während ihrer Zeit im Versteck vor den Nazis festzuhalten.

Wie auch Anne fassen viele heute noch regelmäßig oder auch unsystematisch bruchstückhaft ihre Aktivitäten, Stimmungen und Gefühle in Worte und konservieren frische Eindrücke des gerade Erlebten. Damit einher geht ein wissenschaftlich attestierter therapeutischer Effekt, heilende und tröstende Wirkung durch aktive Verarbeitung und Auseinandersetzung mit Problemen.

Tagebucheintrag

 

Die Idee des Tagebuchs entstammt dem Renaissance-Humanismus. Die Menschen wurden sich ihrer selbst, ihres Individuums bewusst und erschlossen sich somit die Basis für das Schreiben über sich selbst. Die später aus dem Grundgedanken dieser Epoche, der Persönlichkeitsentfaltung, abgeleitete Aufklärung wies dem Menschen Verantwortung für sich selbst zu.  Ein Tagebuch kann auch heute noch diesen Emanzipationsprozess begleiten. So bleibt es nach wie vor  spannend, sich auf schreibende Art und Weise selbst kennenzulernen und zu reflektieren, zumal offene Form und thematische Aufgeschlossenheit die Möglichkeit bieten, sich mit vielen Themenbereichen auseinanderzusetzen.

So sehr sich die Stile der Tagebücher zwischen anspruchsloser Selbstdarstellung und sprachlichem Kunstwerk auch unterscheiden mögen, die Verwandtschaft von Blog mit den handschriftlichen Aufzeichnungen wird generell nihiliert. Private Tagebücher seien nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Eine öffentliche Ausführung stelle eine Form der Selbstzensur dar. Online Tagebücher seien mangels Handschriftlichkeit nicht individuell und spiegelten nicht Charakter und Befindlichkeit des Schreibers wider. Per Mausklick ließen sich Gefühle von gestern löschen.

Wichtig für mich aber bleibt, das der Gedanke hinter den Aufzeichnungen on- wie offline der selbe ist: Authentischer Lebensausdruck, Mittel der vergleichenden Selbstbeobachtung über einen längeren Zeitraum und Hilfe zur Selbstkritik und Selbstverwirklichung. Wenn der Schreiber es schafft, persönliche Aufzeichnung mit sozialen, politischen und gesellschaftlichen Themen zu vereinen, dann entsteht eine, sicher auch für Außenstehende interessante Mischung.

 

Tagebuch 1.0 vs. 2.0

 

Blog hin oder her, ein „Diarium“ bleibt Medium zur Beschäftigung des Menschen mit sich selbst – auch wenn der Inhalt im Hinblick auf einen möglichen Leser entsteht. Schließlich schrieben auch früher schon Eltern für ihre Kinder, Schriftsteller hielten das Entstehen ihrer Werke fest, Politiker rechtfertigen ihre Handlungen für die Nachwelt….

Mein Aufruf zum Tag des Tagebuchs

Schafft auch weiter autobiografische Selbstzeugnisse, zeichnet zwanglos und ungeniert subjektiv die „Linie des eigenen Lebens“ (Max Dessoir) auf, egal in welchen Medien und über welchen Kanal!

Kramt mal wieder nach den bereits offline gefüllten Seiten und findet Selbsterkenntnis!

Ich bin dann mal weg und wirble den Staub auf in meinem analogen Archiv der Selbstbeobachtung….

 

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